So gut schmeckte Vielfalt: Kulturen bitten zu Tisch 2015

Kulturen bitten zu Tisch 2015

Am 28. Mai verwandelte sich der Wiener Sigmund Freud Park zum Schau- und Degustationsplatz für 5.000 dialogfreudige Genießer, Köche, Künstler und Diplomaten aus allen Ländern der Welt. Anlass war der UNESCO-Welttag für interkulturellen Dialog, Veranstalter die in Wien ansässige internationale NGO "World Public Forum – Dialogue of Civilizations".

Von süß-sauer bis feurig-scharf – aber immer gut
Momos aus Tibet, Sopsa Salat aus Montenegro, Falafel aus Israel und Jordanien, Tacos aus Guatemala und Tarta de Camote aus Ecuador – insgesamt kochten 25 Weltregionen für Vielfalt und mehr menschliches Miteinander auf. Dem Ruf „Kulturen bitten zu Tisch“ folgten über 5.000 Besucher. Sie wühlten sich förmlich durch eine fröhlich-bunte Menschenmenge, kosteten an den 25 Ständen exotische Schmankerl und plauderten in bester Stimmung mit Menschen, deren Herkunft so mancher kaum auf der Landkarte lokalisieren kann.


Gefüllte Paprika – nicht nur in Österreich
Die sechzehnjährige Österreicherin Siri mit sudanesischen Wurzeln steht am Essensstand ihres Mutterlandes und erklärt das sudanische Traditionsgericht Mashi: „Ähnlich wie gefüllte Paprika mit Reis und Rind – echt gut“. So etwas gibt´s auch ein paar Stände weiter bei den ungarischen Kollegen. „Bei uns heißt das Töltött Paprika“, meint der ungarische Botschafter János Perényi, der vom Spaziergang durch die Regionen sichtlich angetan ist und sich bei diesem Fest „ganz zu Hause“ fühlt. Für ihn ist „Kulturen bitten zu Tisch“ ein perfektes Beispiel für gelebten Dialog. „Wenn man mit anderen Kulturen in Berührung kommt, wird man positiv überrascht sein und überwindet Angst und Vorurteile“, so der Diplomat. Befragt, welche Speise aus welchem Land wohl am besten schmeckt, gibt Madurika Weninger, erste Botschaftssekretärin aus Sri Lanka, spontan die Antwort: „Ich mag sie alle“!

Ein Volksfest für den Dialog
Auch Fernando Flores, ist der Einladung des World Public Forums – Dialogue of Civilizations gefolgt. Gemeinsam mit elf weiteren Diplomaten degustiert er am steinernen PAN Tisch die Köstlichkeiten anderer Nationen und genießt die Vielfalt auf seinem Teller. „Mit diesem Fest bauen wir Brücken der Verständigung“, so der Generalkonsul aus Ecuador. Alexander van der Bellen sieht das genauso und fügt hinzu, dass Feste dieser Art öfter stattfinden sollten: „Kulturen bitten zu Tisch hat Volksfestcharakter, die übliche Fremdheit tritt hier nicht auf, Distanz spielt keine Rolle“, resümiert der Beauftragte der Stadt Wien für Universität und Forschung. Aloisia Wörgetter, vom Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten, ergänzt: „Gemeinsam essen verbindet, diese Art des Dialogs hilft, die Herausforderungen einer interkulturellen Gesellschaft zu bewältigen und das in dieser Diversität liegende enorme Potenzial auszuschöpfen.“

Vielfalt ist Realität – es bleibt viel zu tun!
Auf den Punkt brachte es Haydar Sari, Beauftragter für Integration der Stadt Wien: „Dieses Fest ist ein Abbild der Gesellschaft, es zeigt unsere Welt in ihrer gesamten Vielfalt“. Für ihn ist es besonders wichtig, dass Menschen unterschiedlichster Nationen die Möglichkeit haben, ihre Kultur präsentierten zu können. „Sie sind stolz darauf, und sie bereichern unsere Gesellschaft“, so Sari. Umso bedauerlicher sei es, dass es in Sachen Integration noch viele Versäumnisse gibt. Etwa, wenn in manchen Bezirken Tendenzen einer Ghettoisierung zu spüren sind, oder auch, wenn in der Politik die Partizipation der Vielfalt noch lange nicht Realität ist.

Traditionen, die weltweit Freude verbreiten!
Akustisches Highlight von „Kulturen bitten zu Tisch“ war diesmal zweifelsohne der Senegalese Karim Thiam, alias Mr. Ambassador. Seine traditionelle Djembe-Trommel brachte rhythmische Klänge hervor, seine Songtexte gaben Einblick in die Ängste und Hoffnungen Afrikas. Regelrecht verzaubert wurde das Publikum von der srilankischen Kindertanzgruppe Sigithi, die ebenso anmutig, wie bunt und fröhlich ihre Kultur zum Besten gab. 

Diana Orlova, Direktorin des World Public Forums – Dialogue of Civilizations, ist begeistert, dass das interkulturelle Fest auch im achten Jahr seines Bestehens erneut ein Erfolg auf allen Ebenen war: „Für viele der teilnehmenden Künstler und Köche ist es ermutigend, die Buntheit und Schönheit ihres Herkunftslandes präsentieren zu können und in ihrer kulturellen Identität anerkannt zu werden“. Walter Schwimmer, Generalsekretär des World Public Forums, ergänzt: „Ohne das Zutun der vielen Freundschaftsorganisationen, die ehrenamtlich kochen, singen und tanzen, wäre dieses Fest für den Dialog nicht durchführbar. Es zeigt einmal mehr, dass ein friedliches Miteinander unterschiedlicher Kulturen nicht nur möglich, sondern darüber hinaus auch bereichernd ist. Wir sind überzeugt davon, damit einen weiteren Baustein für unseren interkulturellen und interreligiösen Dialog als Basis für den Weltfrieden gesetzt zu haben!“

Genießen und unterstützen
Kulturen bitten zu Tisch hat darüber hinaus auch eine karitative Komponente. Der Reinerlös kommt sozialen Projekten der jeweiligen Länder zugute. Unterstützt werden beispielsweise das Projekt „Asela“ für Waisenkinder in Sri Lanka oder auch das Sozialprojekt "Casa Futuro", das junge, ledige Frauen in Nicaragua vor und nach der Geburt betreut.